Angepinnt 4K Emulation - oder: Warum will mein Rechner plötzlich meine vollen 3, 4, 5,... TB Festplatten formatieren?!?!

    4K Emulation - oder: Warum will mein Rechner plötzlich meine vollen 3, 4, 5,... TB Festplatten formatieren?!?!

    Hallo,

    immer wieder bekommen einige um Hilfe suchende Nutzer von externen Festplatten schwitzige Hände oder stehen sogar kurz vor einem Herzinfarkt.

    Besagte Nutzer haben sich in der Regel eines der vielen Festplatten Arrays, wie z.B. die MR, QB oder Einzelplattengehäuse zugelegt und wollen nun Festplatten bereits vorhandener, externe Gehäuse in die neuen Gehäuse verpflanzen.

    Nachdem sie die Platten z.B. in ein QB-35US3 eingesetzt haben, will der Rechner die Platten aber plötzlich formatieren, obwohl sich bereits massenhaft Daten darauf befinden und im Datenträger Management werden mehrere Partitionen auf den Platten im RAW Modus angezeigt, obwohl die Platten nie mit mehreren Partitionen ausgestattet waren. Was ist da los? Sind die Daten jetzt weg? Was passiert da?

    Das wollen wir hier kurz erörtern.

    Dieses Problem betrifft derweil eine große Anzahl von Nutzern und in der Regel nur die, die Festplattenkapazitäten größer 2 TB vorherrschen haben und bis dato mit normalen, externen Festplatten gearbeitet haben.

    Zu aller erst mal die wichtigste Frage zuerst:

    Sind meine Daten nun alle gelöscht? Was muss ich tun?

    Nein! Ruhe bewahren und nichts unüberlegtes tun! Auf gar keinen Fall dem Windows Rat folgen und die Festplatte neu einrichten! So lange nur diese Meldung kommt, dass Windows die Festplatte neu formatieren will, ist noch nichts schlimmes passiert.

    Zutun gibt es eigentlich nur eines, besagte Platte ist zu entnehmen und unverzüglich in ihr bisheriges Gehäuse einzubauen. Nur mit diesem Gehäuse ist aktuell ein Zugriff auf die Daten möglich.

    Und was ist nun das Problem? Sind die neuen Gehäuse defekt?

    Nein, die Erklärung dafür wird sogar relativ einfach, wenn auch ausführlicher sein. Das Stichwort hier ist "4K Emulation".

    Der Verursacher ist hier nicht mal die entsprechende Platte selbst, sondern ihre alte Heimat, das zuvor genutzte, externe Gehäuse. In diesem Gehäuse wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine 4K Emulation implementiert sein. Das Problem ist, dass Festplatten, die in Gehäusen mit 4K Emulation eingerichtet, formatiert und beschrieben wurden, nicht in Gehäusen erkannt werden, wo keine 4K Emulation mehr genutzt wird.

    Was ist das überhaupt - 4K Emulation und warum betrifft das nur Festplatten größer 2 TB und wozu dient sie?

    Dazu muss man wissen, dass alte Betriebssysteme, wie z.B. Windows XP so ohne weiteres nicht dazu in der Lage sind, Festplatten zu verwalten, die größer als 2 TB sind.
    Damit Nutzer dieser Betriebssysteme dennoch Platten über 2 TB verwenden können, hat sich die schlaue Industrie seinerzeit einfallen lassen, in die Chipsätze der externen USB Festplattengehäuse eine spezielle Emulation einzusetzen, die ab einer Plattengröße, von 2 TB greift und es jedem Nutzer idiotensicher ermöglicht, dieses Gehäuse nebst Festplatte nahezu überall anzuschließen.

    Das dumme ist nur, eigentlich braucht diese Emulation heute niemand mehr, denn Betriebssysteme, wie Windows XP werden gar nicht mehr supported und trotzdem werden noch immer aktuelle Geräte mit dieser Emulation verkauft und hergestellt. Leider ist diese Emulation auch so idiotensicher, dass man als Nutzer überhaupt keinen Einfluss auf sie hat und nur mit einigen Tricks überhaupt herausfindet, ob eine solche Emulation existiert.

    Leider gibt es hier auch keinen Schalter oder einen softwaretechnischen Trick, mit dem man den Datenbestand einfach mal ohne 4K Emulation verfügbar machen kann. Einzige Möglichkeit hier ist: Platte wieder zurück in ihr altes Gehäuse und von dort aus erst mal alle wichtigen Daten auslagern. Erst wenn das geschehen ist, kann man die Platte wieder in das neue Gehäuse einbauen und dort neu einrichten. Dann ist die Platte auch im neuen Gehäuse wieder wie gewohnt nutzbar.

    Ab dem Moment kann die Festplatte aber auch nicht mehr in dem Gehäuse verwendet werden, wo die 4K Emulation existiert. Gehäuse und Festplatten mit und ohne 4K Emulation sind also untereinander nicht kompatibel.

    Was kann ich nun tun?

    Leider gibt es da auch nur 2-3 Möglichkeiten, das Problem zu lösen, was fast immer mit mühseligem Kopieren zutun hat:

    1. Die Daten darauf sind unwichtig und man richtet die Platte im neuen Gehäuse ohne 4K Emulation einfach neu ein.
    2. Man baut die Platte erst mal wieder in ihr altes Gehäuse ein, um wieder an die Daten ran zu kommen und sichert sie auf einen Ersatzdatenträger.
    3. Man lebt mit diesem Umstand einfach und belässt dann halt besagte Platte in ihrem alten Gehäuse.

    Der letzte Punkt ist weniger zu empfehlen. Grundsätzlich sollte man sich längerfristig von Gehäusen verabschieden, die mit einer 4K Emulation arbeiten. Geht nämlich irgendwann später mal das Gehäuse selbst kaputt, kommt man mitunter nie wieder an seine Daten ran.

    Kann ich bereits vor dem Ausbau testen, ob meine bereits vorhandenen externen Festplatten mit einer solchen Emulation arbeiten? Wo finde ich diese Information?

    Das Problem ist, heutige, externe Gehäuse mit bereits integrierter Platte sind auf Einweg produziert. Man soll solche externen Laufwerke gar nicht mehr zerlegen, um die tatsächliche Festplatte zu entnehmen, da es sich dabei um günstige Bulkware im Bundle handelt.

    Nicht ohne Grund sind externe, fest verbaute 3 TB Platten meistens günstiger, als lose Bulkware. Sprich man hat nicht ein Festplattengehäuse und eine Festplatte, sondern ein externes Laufwerk im allgemeinen, sprich als feste Einheit erstanden. Nicht selten ist es mittlerweile sogar so, dass fest verschlossene und durch den Anwender mutwillig geöffnete Gehäuse, zwecks Festplattenentnahme von der Gewährleistung ausgeschlossen werden, da die Gewährleistung nur auf die unberührte Einheit Gehäuse und Festplatte gilt. Deshalb sehen sich die Hersteller auch nicht dazu veranlasst, eine 4K Emulation sichtbar auszuweisen, da man offiziell ja gar nicht die Platte entnehmen soll. Es ist nicht mal sicher, dass sich bei einem solchen, externen Festplattengehäuse auch immer die gleichen Festplatten darin befinden, denn die Bundle Anbieter nehmen, was gerade auf dem Markt am günstigsten zu beziehen ist. So kann in ein und dem selben Gehäuse z.B. mal eine Seagate, mal eine WD Festplatte verbaut sein.

    Um aber auf die Frage zurück zu kommen, ob man das irgendwie VORHER herausfinden kann, ob mit einer 4K Emulation gearbeitet wird - ja, kann man mithilfe der Windows Eingabeaufforderung/MS DOS Konsole.

    Hierzu schließt man den zu überprüfenden Datenträger an den PC an, öffnet die MS DOS Eingabeaufforderung/Konsole unter Windows und gibt folgendes dort ein:

    wmic diskdrive get bytespersector,model

    Nun schaut man, was für ein Byte Wert für die zu überprüfende Platte angezeigt wird. Liegt der Wert bei exakt 4096, werkelt zwischen Festplatte und PC, also im SATA-to-USB-Bridge-Chip eine 4K Emulation. Alle Laufwerke, die einen Wert von 512 ausspucken, arbeiten OHNE 4K Emulation.

    Grüße